Falschen Kraftstoff getankt! Und nun? Was tun?

27. Jun 2016

| Sven

Herr Meiers Griff zur Zapfpistole ist routiniert, der Tankdeckel schnell geöffnet und so nimmt das Unglück seinen Lauf. Wie Herr Meier tanken nämlich nach Angaben des ADAC in jedem Jahr um die 5.000 Fahrer und Fahrerinnen den falschen Kraftstoff. Aus Unwissen, aufgrund ähnlich klingender Produktbezeichnungen aber vor allem aus Unachtsamkeit. Ein Sprichwort besagt zwar, dass man aus Schaden klug wird, doch im Falle einer Fehlbetankung geht die Lektion im schlimmsten Fall richtig ins Geld. Damit ihr wisst, was zu tun ist, falls ihr euch vertankt, haben wir wichtige Verhaltenstipps zusammengetragen. Generell gilt: Ruhe bewahren, Motor aus und Lage checken!

 

 

Falscher Kraftstoff: Benzin statt Diesel getankt

 

Ein modernes Dieselfahrzeug mit Benzin zu betanken, ist der größte anzunehmende Unfall, der aber häufiger passiert als andersrum, weil die Zapfpistole für Benzin kleiner ist als für Diesel und häufig in den Einfüllstutzen des Tanks passt. Wem das Missgeschick noch beim Tanken auffällt, kommt in der Regel mit dem Schrecken, einem noch verkraftbaren Lehrgeld und ein paar Unannehmlichkeiten aus der Sache raus. Wurde der Motor bereits angelassen, verläuft das Missgeschick meist nicht so glimpflich. Das Problem: Benzin wäscht den für die Einspritzanlage notwendigen Dieselschmierfilm ab. Die Folge ist Metallabrieb in der Einspritzpumpe, der Hochdruckpumpe für Common-Rail-Diesel oder den Pumpe-Düse-Injektoren. Aufgrund der hohen Drücke von über 2.000 bar beschädigen die Späne das gesamte Einspritzsystem. Der Wechsel von Hochdruckpumpe, Injektoren, Ventilen, Leitungen und Tank verschlingt mehrere Tausend Euro. Kam es nicht zum Abrieb, weil ihr den Motor glücklicherweise nicht angelassen habt bzw. den Fehler rechtzeitig bemerkt, muss häufig „nur“ der Tank geleert und der Kraftstofffilter erneuert werden. Doch auch dafür wird der Tank meist demontiert, weil moderne Formtanks meist zu verwinkelt sind, um sie sicher mit einem Schlauch zu leeren. Auch die Entsorgung des falschen und verunreinigten Kraftstoffes gibt es nicht umsonst. Im Gegenteil. Transport und Entsorgung des giftigen und explosiven Gefahrenguts sind sogar ziemlich teuer.

 

Falscher Kraftstoff: Diesel statt Benzin getankt

 

In der Regel ist diese Fehlbetankung durch die Größe von Einfüllstutzen und Tankpistole ausgeschlossen. Zwar gibt es ein paar Ausnahmen, aber meistens kommt es durch unbeschriftete oder fehlbeschriftete Kanister zu diesem Problem. Lasst den Motor nicht an, bzw. schaltet ihn aus und erkundigt euch beim Fahrzeughersteller oder einer autorisierten Werkstatt, was zu tun ist. Je nach getankter Menge und Fahrzeug kann man entweder langsam weiterfahren oder muss den Tank und die Leitungen durch eine Werkstatt leeren und spülen lassen. Auch in diesem Fall können Schäden an der Einspritzanlage die Kosten in die Höhe treiben.

 

Zapfpistole beim Tanken

Ablenkung und Unachtsamkeit beim Tanken kann schnell teuer werden. Besser ihr passt auf.
Bild: Metropolico.org @Flickr.comCreative Commons

Falscher Kraftstoff: Normal-Benzin statt Super getankt

 

Benzin ist nicht gleich Benzin, doch die Klopffestigkeit spielt häufig nur unter Last eine Rolle. Habt ihr Normalbenzin statt Super oder Super Plus getankt, stellt zunächst den Motor ab und schaut in die Betriebsanleitung des Fahrzeuges bzw. erkundigt euch beim Hersteller, wie weiter vorgegangen wird. Wer vorsichtig fährt und Lastspitzen vermeidet, muss aber in der Regel den Tank nicht leeren. Tankt einfach regelmäßig den richtigen Kraftstoff nach, damit sich die Oktanzahl verbessert. Moderne Fahrzeuge verfügen meist auch über einen Klopfsensor, durch den sich der Motor auf den schlechteren Kraftstoff einstellen kann.

 

Falscher Kraftstoff: Super/Super Plus statt Normal-Benzin getankt

 

Wer Super statt Normal in seinen Tank füllt, hat für den besseren Kraftstoff ein paar Euro zu viel ausgegeben. Schäden oder Folgekosten müsst ihr allerdings nicht befürchten.

 

Falscher Kraftstoff: E10 statt E5 getankt

 

Die Bezeichnung E10 wird für Kraftstoff verwendet, der bis zu 10% Ethanol enthält. Da Ethanol jedoch vor allem bei hohen Temperaturen und großem Druck Ethanolat bildet und dabei Aluminium angreift, eignet sich E10 nicht für alle Fahrzeuge. Die Korrosion beginnt bereits mit der ersten Tankfüllung und kann zu Leckagen im Kraftstoffsystem führen. Das belastet nicht nur die Umwelt, sondern stellt ein gravierendes Sicherheitsrisiko dar. Auch höhere Metallwerte im Kraftstoff können eine Folge sein, weil Ethanol Lösemitteleigenschaften für anorganische Komponenten besitzt. Auch Dichtungen und Schläuche werden u.U. durch zu viel Ethanol beschädigt. Fragt beim Hersteller nach, ob euer Fahrzeug für E10 geeignet ist, bzw. tankt sofort einen ethanolarmen Kraftstoff wie Super Plus zu, um das Mischungsverhältnis zu verbessern. Prüft das Fahrzeug die nächste Zeit über regelmäßig.

“Welche Bremsscheibe ist die richtige?”

“Manuelle Autowäsche – Tipps und Tricks zur Autopflege”

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